Warum wir uns Gefühle kaufen: Die 7 Hochgefühle und wie man sie weckt


 
Glory, glory, hallelu-ja, ich kaufe.
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(TOP 50 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Warum wir uns Gefühle kaufen: Die 7 Hochgefühle und wie man sie weckt (Gebundene Ausgabe)
Wir leben in einer der Welt glänzender Inszenierungen, die nichts vom Gehalt Riefenstahl'scher Bilder verloren haben, im Gegenteil. Dem Wunsch nach grenzenlosem, ewigen Wachstum als weitem, breitem Pfad der Erlösung entspricht unsere Gier nach nicht enden wollenden Lust- und Glücksgefühlen. Schon Nietzsche sagte (so ähnlich): "Lust will Ewigkeit."

Ich hätte mir vorgestellt, dass Herr Mikunda ein Interview führt, sagen wir mal, mit einem Mann, der unter Dauererregung leidet oder der seiner Frau zeitlebens jeden Tag Heiratsanträge formuliert. Nichts anderes erlebt man heute schon im einfachen, linksdrehenden Gang durch vorweihnachtliche Konsumententempel, Shopping Center bzw. Supermärkte. Weihnachten und der Duft davon werden schon seit Mitte September dort vorgeführt und ich stelle mir vor, wie mein Supermarktleiter zusammen mit dem Dramaturg aus Wien die Gelüste dieses Mannes dechiffriert und sie charmant süßlich seiner superwolllüstigen Nase und seiner endlos gierigen Kaufrausch vorsetzt.

Wenn Sie die Äffchen im Kaufrausch visuell pudern wollen, empfehle ich Ihnen dieses superwertvoll aufgemachte Buch mit großer Schrift, bei dem der glückliche Autor seine ganz eigene Welt des Konsums ausbreitet. Allein, ich mag nicht verstehen, warum ein Naturerlebnis wie ein Wasserfall, bei dem man in der Gruppe auch gerne mal die Arme hochnimmt, die gereinigte Fassung von Hochmut in mir sein soll. Für mich haben Naturerlebnisse wenig mit Hochmut zu tun - im Gegenteil, ich nehme an, man fühlt sich beim Anblick von majestätischer Natur eher demütig, man versucht eine Verschmelzung mit Mutter Natur oder sie sanft zu stimmen. Über den Pol "Hochmut" soll dann Glory (warum Anglizismen?) das Gegenteil sein oder was meint Mikunda mit einer gereinigten Fassung des Begriffes? Ich habe das leider nicht verstanden. Und genau hier ist die Grundkonzeption des Buches bzw. das ganze Konzept brüchig.

Irgendwo habe ich gelesen, dass Herr Mikunda Dieter Bohlen als seinen Lehrer ansieht, er liebt dessen "Powertöne" bei DSDS. Er kann sich über ärmellose T-Shirts erregen, sogenannte "Muscle-Shirts" bei Mark Medlock, die ihn an "Power" erinnern. Wenn Sie als Anwender diesen Verführungen folgen wollen und nicht ihrem gesunden Menschenverstand, dann empfehle ich dieses Buch. Ich kann nicht leugnen, dass wohl einiges stimmt. Aber einiges leider auch nicht. Und wie immer bei der Wirkungsforschung bei Werbung: man weiß nicht, welche 50% funktionieren und welche nicht.

Dass die katholische Kirche mit sexuellen Gefühlen ihre Herrschaftsinstrumente zementiert(e), bedeutet nicht, dass wir die heute noch als Todsünden auffassen. Auch negative Gefühle sowie rationale Argumente sind zudem Konsumanreize. Darüber hinaus kann der überschwellende Glücksrausch bei Mikunda auch negative Wirkungen haben. Wir alle erleben dies bei im vorweihnachtslichen Konsumrausch bestens. Dann helfen m.E. auch Chill-Räume nicht mehr, man blendet überinszenierte Erlebniscenter einfach aus, man geht nicht mehr hin!

Die Herleitung der Gefühle und Logiken bei Mikunda ist so gestrickt, dass sie vordergründig irgendwie logisch, kaufmännisch, marketing-gerecht klingt - eine differenzierte Analyse lässt jedoch Unschärfen bzw. Unlogiken offenbar werden. Zudem werden kritische Fragen nach Ethik und Moral nicht gestellt. Was ist, wenn wir alle in solch aufgestylten, hyperkonsumlustvollen Umgebungen lustwandeln? Gibt es dann nicht einen Übersättigungseffekt, den man z.B. in Ländern wie Dubai bis weit zum Überlaufen gebracht hat?

Ich habe mich beim Lesen trotzdem amüsiert und kann einige der Ergebnisse von Herrn Mikunda durchaus nachvollziehen, ohne jedoch bei den Herleitungen auf dem gleichen gedanklichen Pfad sein zu müssen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 29. November 2010
Kundenrezensionen:
3. Glory, glory, hallelu-ja, ich kaufe. (die aktuell angezeigte Rezension)
2. Der schmale Grat des emotionalen Marketings
1. Mich hat das Buch bei aller Logik und Stringenz dennoch befremdet
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